Rheinischer Sauerbraten
Zart geschmortes Rindfleisch, eine tief-aromatische süß-säuerliche Sauce und klassische Beilagen wie Klöße und Rotkohl.
Schnelle Antwort
Für klassischen Rheinischen Sauerbraten wird ein Rinderschmorstück zwei bis drei Tage in einer Marinade aus Rotwein, Essig, Wasser, Gemüse und Gewürzen eingelegt. Danach wird das Fleisch trocken getupft, kräftig angebraten und langsam etwa drei Stunden geschmort. Die Sauce wird zum Schluss passiert und mit Rübenkraut, optional Rosinen oder etwas Saucenlebkuchen süß-säuerlich ausbalanciert.
Rheinischer Sauerbraten ist ein klassisches Schmorgericht, das vor allem durch Zeit seinen besonderen Geschmack bekommt. Das Fleisch wird nicht einfach nur angebraten und geschmort, sondern vorher mehrere Tage in einer würzigen, säuerlichen Marinade eingelegt. Dadurch bekommt der Braten seine typische Aromatik und wird beim langsamen Garen wunderbar zart. Die Sauce lebt vom Kontrast aus Säure, Röstaromen und einer leichten Süße, die je nach Familienrezept mit Rübenkraut, Zucker, Rosinen oder etwas Saucenlebkuchen ausbalanciert wird.
Für einen guten Sauerbraten brauchst du kein besonders edles Stück Fleisch. Ideal ist ein Stück aus Schulter, Bug oder Keule, das genügend Struktur für langes Schmoren mitbringt. Ein sehr mageres Stück kann nach mehreren Stunden trocken wirken. Etwa 1,4 bis 1,6 Kilogramm Rindfleisch sind für sechs Portionen eine gute Menge. Das Fleisch sollte möglichst kompakt geschnitten sein, damit es gleichmäßig gart und sich später in schöne Scheiben schneiden lässt.
Warum dieser Sauerbraten so gut gelingt
- Mehrere Tage Marinierzeit für typisches Aroma.
- Kräftiges Anbraten sorgt für tiefe Röstaromen.
- Langsame Schmorzeit macht das Fleisch zart.
- Süße und Säure werden erst am Ende fein abgestimmt.
- Sehr gut am Vortag vorzubereiten.
- Perfekt mit Klößen und Rotkohl.
Die Marinade besteht klassisch aus einer Mischung aus Rotwein, Essig und Wasser. Dazu kommen Zwiebeln, Karotten, Sellerie sowie Gewürze wie Lorbeer, Wacholderbeeren, Pfefferkörner und Nelken. Wichtig ist, dass die Marinade würzig und deutlich säuerlich schmeckt, aber nicht aggressiv nach Essig. Das Fleisch nimmt während der zwei bis drei Tage nur einen Teil dieser Säure auf. Beim späteren Schmoren wird die Marinade außerdem mit Gemüse, Fleischsaft und weiteren Zutaten zur Sauce verarbeitet.
Zum Marinieren eignet sich ein Gefäß aus Glas, Edelstahl oder Kunststoff. Aluminium solltest du wegen der Säure vermeiden. Das Fleisch wird vollständig oder zumindest weitgehend von der Marinade bedeckt und im Kühlschrank gelagert. Einmal täglich kannst du es wenden. So kommt jede Seite mit der Marinade in Kontakt. Zwei Tage funktionieren gut, drei Tage geben meist noch mehr Geschmack. Viel länger würde ich für dieses Rezept nicht marinieren, damit die Oberfläche nicht zu weich wird.
Vor dem Anbraten muss das Fleisch gründlich trocken getupft werden. Das ist einer der wichtigsten Schritte. Nasse Oberfläche verhindert kräftige Röstaromen, weil das Fleisch zuerst dämpft. Die Marinade wird nicht weggeschüttet. Sie wird durch ein Sieb gegossen, das Gemüse wird aufgefangen und später mit angeröstet. Die Flüssigkeit bleibt ebenfalls erhalten und dient als Grundlage für die Sauce.
Beim Anbraten brauchst du einen schweren Bräter oder einen großen Schmortopf mit Deckel. Erhitze neutrales Öl oder Butterschmalz kräftig und brate das Fleisch rundherum dunkel an. Es darf wirklich Farbe bekommen, denn diese Röstaromen fehlen später sonst in der Sauce. Nimm das Fleisch anschließend heraus und röste das abgetropfte Marinadengemüse im selben Topf an. Ein kleiner Löffel Tomatenmark kann ebenfalls mitgeröstet werden und sorgt für mehr Tiefe.
Fleisch, Marinade und Schmorzeit
Rinderschmorstück
Schulter, Bug oder Keule bringen genügend Struktur für mehrere Stunden Schmorzeit mit.
Säuerliche Marinade
Rotwein, Essig, Wasser, Gemüse und Gewürze geben dem Fleisch den typischen Sauerbraten-Charakter.
Langsam schmoren
Bei niedriger Temperatur wird kollagenreiches Fleisch weich und saftig statt trocken.
Danach wird mit einem Teil der Marinade abgelöscht. Kratze die braunen Röststellen vom Topfboden, denn genau dort sitzt viel Geschmack. Gib das Fleisch zurück in den Bräter und fülle so viel Marinade und eventuell etwas Brühe an, dass das Fleisch ungefähr zur Hälfte bis zu zwei Dritteln in Flüssigkeit liegt. Es soll schmoren, nicht vollständig kochen.
Die Garzeit hängt von Fleischstück und Größe ab. Meist braucht ein Sauerbraten bei niedriger Temperatur etwa zweieinhalb bis drei Stunden. Du kannst ihn auf dem Herd bei sehr kleiner Hitze oder im Backofen bei ungefähr 160 Grad Ober-/Unterhitze schmoren. Im Ofen ist die Temperatur oft gleichmäßiger und der Braten braucht weniger Aufmerksamkeit. Entscheidend ist nicht die exakte Minute, sondern dass eine Fleischgabel leicht hineingleitet.
Die Sauce wird erst am Ende fein abgestimmt. Nach dem Schmoren nimmst du das Fleisch heraus und lässt es kurz ruhen. Die Schmorflüssigkeit wird durch ein Sieb passiert oder je nach gewünschter Konsistenz zusammen mit einem Teil des Gemüses püriert. Für rheinische Süße eignen sich Rübenkraut, etwas brauner Zucker oder ein Stück Saucenlebkuchen. Rosinen sind ebenfalls sehr typisch, aber nicht jeder mag sie. Deshalb kannst du sie optional verwenden.
Die Balance der Sauce ist entscheidend. Sie soll deutlich würzig und leicht säuerlich sein, gleichzeitig aber rund und angenehm süßlich. Wenn sie zu sauer ist, hilft etwas Rübenkraut oder Zucker. Ist sie zu süß, bringt ein kleiner Schuss Essig wieder Spannung. Salz wird erst ganz am Ende angepasst, weil die Sauce beim Einkochen kräftiger wird. So entsteht ein Sauerbraten, der tief, herzhaft und zugleich ausgewogen schmeckt.
Zutaten für Rheinischen Sauerbraten
Für Fleisch & Marinade
- 1,5 kg Rinderschmorbraten
- 500 ml trockener Rotwein
- 250 ml Rotweinessig
- 250 ml Wasser
- 2 große Zwiebeln
- 2 Karotten
- 150 g Knollensellerie
- 2 Lorbeerblätter
- 6 Wacholderbeeren
- 8 Pfefferkörner
- 2–3 Nelken
Zum Schmoren & Abschmecken
- 2 EL neutrales Öl oder Butterschmalz
- 1 EL Tomatenmark
- 300–500 ml Rinderbrühe nach Bedarf
- 1–2 EL Rübenkraut
- 40–60 g Rosinen, optional
- optional etwas Saucenlebkuchen
- Salz
- bei Bedarf etwas brauner Zucker oder Essig
Sophie-Tipp: Tupfe das marinierte Fleisch vor dem Anbraten wirklich trocken. Nur dann entstehen kräftige Röstaromen statt grauer, gedämpfter Oberfläche.
So baust du die typische süß-säuerliche Sauce auf
| Zutat | Funktion | Alternative |
|---|---|---|
| Rotweinessig | Säure und Frische | Milder Kräuter- oder Apfelessig |
| Rübenkraut | Rheinische Süße und Tiefe | Brauner Zucker |
| Rosinen | Kleine süße Akzente | Einfach weglassen |
| Saucenlebkuchen | Bindung und Gewürz | Sauce einkochen oder wenig Stärke |
Rheinischer Sauerbraten: Zubereitung Schritt für Schritt
Marinade kochen
Rotwein, Essig, Wasser, Gemüse und Gewürze kurz aufkochen und anschließend vollständig abkühlen lassen.
Fleisch marinieren
Rindfleisch mit der kalten Marinade übergießen und zwei bis drei Tage abgedeckt im Kühlschrank lagern, täglich wenden.
Abtropfen und trocknen
Fleisch herausnehmen, Marinade durchsieben und Fleisch gründlich trocken tupfen. Flüssigkeit und Gemüse aufbewahren.
Fleisch kräftig anbraten
Öl im schweren Bräter stark erhitzen und den Braten rundherum dunkelbraun anrösten.
Gemüse rösten
Fleisch herausnehmen, Marinadengemüse anrösten und Tomatenmark kurz mitrösten.
Ablöschen
Mit etwa 500 ml Marinade ablöschen, Röststoffe vom Boden lösen und den Braten zurück in den Topf geben.
Langsam schmoren
Bei 160 °C Ober-/Unterhitze etwa zweieinhalb bis drei Stunden mit Deckel schmoren und nach der Hälfte wenden.
Fleisch ruhen lassen
Wenn eine Gabel leicht hineingleitet, Braten herausnehmen und zehn bis fünfzehn Minuten locker abgedeckt ruhen lassen.
Sauce vollenden
Schmorflüssigkeit passieren, einkochen und mit Rübenkraut, optional Rosinen und Saucenlebkuchen abschmecken.
Aufschneiden und ziehen lassen
Fleisch quer zur Faser in Scheiben schneiden, zurück in die heiße Sauce legen und einige Minuten ziehen lassen.
Am ersten Tag bereitest du die Marinade vor. Schäle zwei große Zwiebeln, zwei Karotten und ein Stück Knollensellerie und schneide alles grob. Gib Rotwein, Essig und Wasser in einen Topf und füge Gemüse, Lorbeerblätter, Wacholderbeeren, Pfefferkörner und zwei bis drei Nelken hinzu. Die Mischung muss nicht lange kochen. Ein kurzes Aufkochen reicht, damit sich die Aromen verbinden. Danach muss sie vollständig abkühlen.
Lege das Rindfleisch in ein passendes Gefäß und gieße die kalte Marinade darüber. Heiße Flüssigkeit würde die Oberfläche des Fleisches unnötig vorgaren. Decke das Gefäß ab und stelle es in den Kühlschrank. Wende das Fleisch einmal pro Tag. Nach zwei bis drei Tagen ist es bereit zum Schmoren.
Am Kochtag hebst du das Fleisch aus der Marinade und tupfst es sehr gründlich mit Küchenpapier trocken. Gieße die Marinade durch ein Sieb. Bewahre sowohl Flüssigkeit als auch Gemüse auf. Jetzt kannst du das Fleisch leicht salzen. Pfeffer kommt besser später in die Sauce, weil gemahlener Pfeffer beim sehr heißen Anbraten bitter werden kann.
Erhitze einen schweren Bräter und gib zwei Esslöffel neutrales Öl oder Butterschmalz hinein. Brate den Braten auf jeder Seite kräftig an. Nimm dir dafür Zeit. Je nach Form des Fleischstücks dauert das insgesamt acht bis zehn Minuten. Wenn einzelne Seiten dunkelbraun werden, ist das erwünscht. Schwarz sollte allerdings nichts werden.
Nimm das Fleisch aus dem Topf und gib das abgetropfte Marinadengemüse hinein. Röste es mehrere Minuten, bis die Zwiebeln und Karotten Farbe bekommen. Rühre anschließend einen Esslöffel Tomatenmark ein und röste es etwa eine Minute mit. Dadurch verliert es seinen rohen Geschmack und bringt mehr Umami in die Sauce.
Lösche den Bräter mit ungefähr 500 Millilitern der Marinadenflüssigkeit ab. Rühre den Bratensatz vom Boden los. Gib den Sauerbraten zurück in den Topf und füge bei Bedarf etwas Rinderbrühe hinzu. Die Flüssigkeit sollte ungefähr bis zur Hälfte oder etwas höher am Fleisch stehen. Lege den Deckel auf und schiebe den Bräter in den auf 160 Grad Ober-/Unterhitze vorgeheizten Backofen.
Während der nächsten zweieinhalb bis drei Stunden braucht der Sauerbraten nur wenig Aufmerksamkeit. Wende ihn nach ungefähr der Hälfte der Zeit einmal. Falls sehr viel Flüssigkeit verdampft, gieße etwas Marinade oder Brühe nach. Im gut geschlossenen Bräter sollte das aber selten nötig sein.
Prüfe nach etwa zweieinhalb Stunden die Zartheit. Eine lange Fleischgabel oder ein dünnes Messer sollte ohne großen Widerstand in das Fleisch gleiten. Ist es noch fest, braucht es weitere 20 bis 30 Minuten. Schmorgerichte lassen sich nicht sinnvoll durch hohe Temperatur beschleunigen. Mehr Hitze macht das Fleisch nicht schneller zart, sondern kann die äußeren Schichten austrocknen.
Wenn das Fleisch weich ist, nimm es aus der Sauce und wickele es locker in Backpapier oder Alufolie. Es sollte ungefähr zehn bis fünfzehn Minuten ruhen. Dadurch verteilen sich die Fleischsäfte besser und die Scheiben lassen sich sauberer schneiden.
Gieße die Schmorflüssigkeit durch ein feines Sieb in einen Topf. Drücke das Gemüse leicht aus, aber nicht mit Gewalt, wenn du eine klare, glatte Sauce möchtest. Für eine rustikalere Sauce kannst du einen Teil des Gemüses mitpürieren. Lass die Sauce anschließend einige Minuten einkochen.
Jetzt kommt der typische rheinische Ausgleich. Rühre zunächst einen Esslöffel Rübenkraut ein. Gib optional 40 bis 60 Gramm Rosinen dazu und lasse sie in der Sauce weich werden. Wenn du Saucenlebkuchen oder eine Aachener Printe verwenden möchtest, zerbrösele ein kleines Stück in die heiße Sauce. Es bindet und bringt zugleich Gewürz und Süße. Verwende davon lieber wenig und taste dich heran.
Probiere die Sauce. Ist sie zu sauer, ergänze etwas Rübenkraut oder einen Teelöffel braunen Zucker. Ist sie zu süß, gib ein paar Tropfen Essig dazu. Zu kräftige Sauce lässt sich mit etwas Brühe strecken. Wenn sie zu dünn ist, kannst du sie weiter einkochen oder mit sehr wenig angerührter Speisestärke binden.
Schneide den Sauerbraten quer zur Faser in etwa einen Zentimeter dicke Scheiben. Lege die Scheiben zurück in die heiße Sauce und lass sie nur noch einige Minuten ziehen. Starkes Kochen ist jetzt nicht mehr nötig. So bleiben die Scheiben saftig und nehmen noch etwas Sauce auf.
Als Beilage passen Kartoffelklöße, Semmelknödel oder Salzkartoffeln besonders gut. Rotkohl ist der klassische Begleiter, weil seine milde Süße und Säure hervorragend zur dunklen Sauce passen. Auch Apfelrotkohl funktioniert sehr gut. Wer es einfacher möchte, serviert breite Bandnudeln dazu.
Tipps für zartes Fleisch und ausgewogene Sauce
Vorbereiten, Aufwärmen und Einfrieren
Rheinischer Sauerbraten ist ein Gericht, das sich hervorragend vorbereiten lässt. Weil das Fleisch ohnehin mehrere Tage mariniert, passt es gut zu einem geplanten Sonntagsessen. Du kannst den kompletten Braten sogar am Vortag schmoren. Über Nacht im Kühlschrank zieht er weiter durch und lässt sich am nächsten Tag sehr gut aufwärmen. Viele finden Sauerbraten am zweiten Tag sogar noch aromatischer.
Wenn du ihn vorbereitest, lässt du Fleisch und Sauce zunächst vollständig abkühlen. Lagere den Braten am besten direkt in der Sauce, damit er nicht austrocknet. Am nächsten Tag erwärmst du alles langsam bei niedriger bis mittlerer Hitze. Falls die Sauce im Kühlschrank sehr dick geworden ist, gib etwas Brühe oder Wasser dazu. Starkes Kochen solltest du vermeiden, weil dünn geschnittene Fleischscheiben sonst trocken werden können.
Reste halten sich gut verschlossen im Kühlschrank etwa zwei bis drei Tage. Zum Einfrieren eignet sich Sauerbraten ebenfalls gut. Am praktischsten ist es, Fleischscheiben zusammen mit ausreichend Sauce portionsweise einzufrieren. So bleibt das Fleisch beim Auftauen besser saftig. Kartoffelklöße würde ich separat frisch zubereiten, weil ihre Konsistenz nach dem Einfrieren deutlich leiden kann.
Die Marinade lässt sich anpassen. Wenn du keinen Rotwein verwenden möchtest, kannst du mehr Wasser oder Traubensaft verwenden und die Essigmenge entsprechend fein abstimmen. Der Geschmack wird dann fruchtiger und weniger tief als mit Rotwein, funktioniert aber. Wichtig ist immer, dass die Marinade vor dem Fleischkontakt vollständig abgekühlt ist und das Fleisch die ganze Zeit im Kühlschrank steht.
Beim Essig sind Rotweinessig und milder Kräuteressig gute Optionen. Sehr scharfer Branntweinessig kann dominant wirken. Wenn du ihn verwendest, nimm weniger und gleiche mit Wasser aus. Apfelessig gibt eine etwas fruchtigere Note. Balsamico würde ich nicht als Hauptessig nehmen, weil seine Süße und Farbe die klassische Balance stark verändern.
Auch bei der Süße gibt es viele Familienvarianten. Rübenkraut passt besonders gut zur rheinischen Küche. Brauner Zucker ist neutraler. Saucenlebkuchen oder Printen bringen zusätzlich Gewürze und binden die Sauce. Rosinen sorgen für kleine süße Akzente. Du musst nicht alles gleichzeitig verwenden. Für ein ausgewogenes Grundrezept reichen Rübenkraut und optional Rosinen vollkommen.
Fehler vermeiden und Sauce richtig abschmecken
Ein häufiger Fehler ist eine zu aggressive Essigsäure. Wenn die Sauce nach dem Schmoren spitz und unangenehm sauer schmeckt, hilft nicht nur Zucker. Lass sie zunächst einige Minuten offen einkochen und rühre etwas Brühe ein. Danach kannst du mit Rübenkraut oder Zucker fein justieren. Süße sollte die Säure runden, nicht komplett überdecken.
Ein weiterer Fehler ist zu wenig Röstaroma. Das Fleisch muss vor dem Schmoren trocken sein und der Topf wirklich heiß. Wenn es nur grau wird, fehlt der Sauce später Tiefe. Brate notfalls in etwas mehr Fett und bewege das Fleisch nicht ständig. Lass jede Seite in Ruhe Farbe bekommen.
Wenn der Sauerbraten nach drei Stunden noch zäh ist, braucht er meistens einfach mehr Zeit. Kollagenreiches Schmorfleisch wird erst dann weich, wenn das Bindegewebe lange genug gegart wurde. Solange genügend Flüssigkeit vorhanden ist und die Temperatur moderat bleibt, kannst du die Garzeit um weitere 30 bis 45 Minuten verlängern.
Umgekehrt kann ein sehr kleines oder mageres Stück früher fertig sein. Deshalb ab zweieinhalb Stunden regelmäßig prüfen. Ein Thermometer ist bei Schmorfleisch weniger hilfreich als die Gabelprobe. Entscheidend ist die Textur. Wenn eine Gabel leicht hineingleitet und sich das Fleisch unter sanftem Druck löst, ist es fertig.
Für Gäste kannst du Sauerbraten besonders entspannt servieren. Schneide das Fleisch schon vor dem Eintreffen der Gäste in Scheiben, lege es in die Sauce und halte alles bei niedriger Temperatur warm. Bereite Rotkohl ebenfalls vor. Nur die Klöße kochst du möglichst frisch, damit sie locker bleiben.
Wer keine Rosinen mag, lässt sie einfach weg. Die Sauce braucht sie nicht zwingend. Du kannst stattdessen mit etwas mehr Rübenkraut oder einem kleinen Stück Saucenlebkuchen arbeiten. Auch ohne Rosinen bleibt das Gericht klar als rheinischer Sauerbraten erkennbar, solange die süß-säuerliche Balance stimmt.
Beilagen, Servieren und große Familienessen
Für eine besonders glatte Sauce kannst du sie nach dem Passieren noch einmal durch ein feines Sieb geben. Wenn du eine kräftigere, dickere Sauce bevorzugst, pürierst du einen Teil des Schmorgemüses mit. Beide Varianten sind richtig. Die feine Sauce wirkt festlicher, die pürierte Version rustikaler und etwas sämiger.
Beim Schneiden solltest du unbedingt quer zur Faser arbeiten. Die Faserrichtung ist am gegarten Braten meist gut zu erkennen. Quer geschnitten wirken die Scheiben deutlich zarter. Schneidest du längs zur Faser, können selbst gut geschmorte Stücke fester erscheinen.
Wenn du Kartoffelklöße servierst, plane genügend Sauce ein. Ein Sauerbraten mit zu wenig Sauce wirkt schnell trocken. Im Zweifel ist etwas mehr Schmorflüssigkeit sinnvoll. Sie kann am Ende eingekocht und abgeschmeckt werden. Übrig gebliebene Sauce lässt sich außerdem sehr gut einfrieren und später zu einem anderen Rinderschmorgericht verwenden.
Rotkohl kannst du ebenfalls am Vortag kochen. Er schmeckt aufgewärmt oft noch besser. So bleibt am eigentlichen Essenstag nur der Braten zum Erwärmen und die frische Zubereitung der Klöße. Für ein größeres Familienessen ist das deutlich entspannter.
Als Getränk passt ein kräftiger trockener Rotwein, aber natürlich ist das kein Muss. Alkoholfreie Alternativen wie Traubensaftschorle oder Apfelschorle funktionieren ebenfalls gut zur süß-säuerlichen Sauce. Wasser mit Zitrone ist eine neutrale Begleitung.
Das Gericht wirkt aufwendig, weil die Vorbereitung über mehrere Tage verteilt ist. Die aktive Arbeitszeit ist aber überschaubar. Am ersten Tag bereitest du nur die Marinade vor. Am Kochtag brauchst du ungefähr 30 Minuten aktive Vorbereitung, danach übernimmt der Ofen den größten Teil der Arbeit.
Genau deshalb lohnt sich Rheinischer Sauerbraten für Herbst und Winter. Er lässt sich planen, kann gut vorbereitet werden und liefert ein tiefes, herzhaftes Aroma, das mit Klößen und Rotkohl besonders gemütlich wirkt. Wenn du die Marinade ausgewogen hältst, das Fleisch kräftig anbrätst und der Sauce am Ende Zeit zum Abschmecken gibst, gelingt ein klassischer Sauerbraten zuverlässig.
Rheinischer Sauerbraten
Klassisch marinierter Rinderbraten mit tief-aromatischer, süß-säuerlicher Sauce.
30 Min.Schmorzeit
3 Std.Marinieren
2–3 TagePortionen
6Schwierigkeit
Mittel
Zutaten
- 1,5 kg Rinderschmorbraten
- 500 ml Rotwein
- 250 ml Rotweinessig
- 250 ml Wasser
- Zwiebeln, Karotten, Sellerie
- Lorbeer, Wacholder, Pfeffer, Nelken
- 2 EL Öl
- 1 EL Tomatenmark
- Rinderbrühe
- Rübenkraut
- optional Rosinen und Saucenlebkuchen
Zubereitung
- Marinade kochen und vollständig abkühlen.
- Fleisch 2–3 Tage marinieren.
- Fleisch trocken tupfen, Marinade sieben.
- Braten kräftig anrösten.
- Gemüse und Tomatenmark rösten.
- Mit Marinade ablöschen.
- Bei 160 °C langsam schmoren.
- Fleisch ruhen lassen.
- Sauce passieren und süß-säuerlich abschmecken.
- Fleisch aufschneiden und in der Sauce ziehen lassen.
Häufige Fragen zu Rheinischem Sauerbraten
Wie lange sollte Sauerbraten marinieren?
Zwei bis drei Tage sind für dieses Rezept ideal. Das Fleisch sollte die ganze Zeit gut gekühlt und möglichst von der Marinade umgeben sein.
Welches Fleisch eignet sich am besten?
Schulter, Bug oder Keule vom Rind eignen sich gut, weil sie langes Schmoren vertragen und dabei zart werden.
Kann ich Sauerbraten ohne Rosinen machen?
Ja. Rosinen sind typisch, aber nicht zwingend. Die Sauce lässt sich auch nur mit Rübenkraut oder etwas Saucenlebkuchen ausbalancieren.
Warum ist mein Sauerbraten noch zäh?
Meist braucht das Fleisch länger. Bei moderater Temperatur einfach weitere 20 bis 30 Minuten schmoren und erneut prüfen.
Kann ich Sauerbraten am Vortag kochen?
Ja. Das Gericht eignet sich sehr gut dafür und schmeckt aufgewärmt oft sogar noch aromatischer.
Welche Beilagen passen klassisch dazu?
Kartoffelklöße und Rotkohl sind besonders klassisch. Auch Semmelknödel, Salzkartoffeln oder Bandnudeln passen gut.
Inhaltsverzeichnis
Mehr klassische Cheflet-Rezepte
Quelle & Küchenpraxis
Speichern und für das nächste Herbst- oder Sonntagsessen vormerken
Rheinischer Sauerbraten braucht Zeit, belohnt dich dafür aber mit zartem Fleisch und einer tiefen, süß-säuerlichen Sauce.
Zur Rezeptkarte